erschienen auf www.eurams.de , 05.06.2008, von Benjamin Summa
Mögliche Streckenstilllegungen, höhere Preise für Tickets und Treibstoffsparmodelle: Die Airlines müssen derzeit weltweit über Maßnahmen nachdenken, dem hohen Ölpreis zu begegnen.
Das Kerngeschäft der Billig-Fluggesellschaften droht auszutrocknen. Das sagte Luftfahrtexperte und Chef der Airline-Unternehmensberatung Prologis, Gerd Pontius, gegenüber Euro am Sonntag Online. Denn Spontanreisende müssten nicht unbedingt zu erhöhten Preisen reisen. Geschäftsleuten bliebe demgegenüber nichts anderes übrig. Deshalb könnten Netzwerk-Carrier mögliche Verluste auf Kurzstrecken besser durch Langstreckenflüge in der Business-Class kompensieren. Auch Streckenstilllegungen wird es laut Pontius „definitiv geben“.
Hunold: Werden Portfolio neu bewerten
Die Air-Berlin Gruppe hat vor kurzem ein Maßnahmenpaket ausgearbeitet – darin ist von Kapazitätsanpassungen die Rede. Pontius rechnet auch mit der Streichung unrentabler Strecken. Air Berlin-CEO Joachim Hunold machte gegenüber Euro am Sonntag Online allerdings deutlich, dass es noch zu früh sei, über Streckenstilllegungen zu sprechen. „Wir werden jeden einzelnen Bestandteil unseres Portfolios neu bewerten und die Ergebnisse nach gegebener Zeit bekannt geben“, sagte Hunold.
Unter Berücksichtigung aller Zuschläge hätten gerade die Billiganbieter die Ticketpreise zwischen sieben und 15 Prozent erhöht, sagte Unternehmensberater Pontius Euro am Sonntag Online. Anbieter im Lowcost-Segment seien in einer schlechten Situation: „Der Treibstoffanteil an den flugbezogenen Kosten liegt bei ihnen deutlich höher als bei Netzwerk-Carriern, da die Overheadkosten bei den Billiganbietern straff kalkuliert sind.“ Bei herkömmlichen Airlines machten die Treibstoffkosten 35 Prozent und weniger der direkten flugbezogenen Kosten aus, bei Billigfluglinien häufig mehr als 40 Prozent.
Airlines müssen Treibstoff sparen
Die Airlines setzen nach Angaben des Luftfahrt-Experten auf vielfältige Maßnahmen, um Treibstoff zu sparen. Früher seien die Piloten angehalten gewesen, eine Verspätung möglichst wieder durch höhere Geschwindigkeiten aufzuholen, sagte Pontius. Mittlerweile werde langsamer geflogen. Zudem achteten die Unternehmen darauf, dass die Bordausstattung leichter und nicht mehr so viel Wasser und Treibstoff mit an Bord genommen wird. Bei Langstreckenflügen verbrauchten die Maschinen oftmals 30 Prozent Kerosin, nur um den Treibstoff zu transportieren. Auch beim Gepäck werde der Gast bei einigen Airlines mittlerweile zur Kasse gebeten.
Die Luftfahrtorganisation IATA, der weltweit knapp 285 Fluggesellschaften angehören, befürchtet starke Gewinneinbrüche angesichts eines Ölpreises von derzeit über 120 Dollar pro Barrel. Stagnieren die Kosten auf dem jetzigen Level, wird ein Verlust für die Mitglieds-Airlines von bis zu 6,1 Milliarden Dollar erwartet. Dies teilte IATA-Chef Giovanni Bisignani kürzlich auf dem Jahrestreffen des Verbandes in Istanbul mit.
TUIfly: Derzeit keine höheren Treibstoffzuschläge
Der irische Billiganbieter Ryanair peilt für 2009 beim Gewinn nur eine schwarze Null an. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2007/2008 lag dieser vor Sonderposten noch bei 480,9 Millionen. Die Lufthansa reagierte kürzlich mit einer erhöhten Treibstoffzulage. Die Kranich-Airline machte zudem darauf aufmerksam, dass es angesichts hoher Ölpreise immer schwieriger werde, das Ergebnisziel für 2008 zu übertreffen. Gegenüber Euro am Sonntag Online sagte ein Sprecher von TUIfly, einer Tochter der TUI AG, dass eine höhere Treibstoffzulage derzeit nicht geplant sei, diese aber für die Zukunft nicht ausgeschlossen werden könne.
Fast alle Fluggesellschaften sehen sich derzeit mit einem Dilemma konfrontiert: Eigentlich müsste in eine Modernisierung der Flotte investiert werden – auch, um Treibstoff zu sparen. Die Kapitalausstattung lässt dies jedoch nicht zu. Airbus-Verkaufschef John Leahy deutete vergangene Woche bereits an, dass er damit rechne, dass Fluglinien bestellte Maschinen später abnehmen oder sogar Flugzeuge stornieren.
